Abteilung Ehrenstetten


In den Sechzigerjahren des 19. Jahrhunderts forderte das Bezirksamt Staufen die größeren Gemeinden des Verwaltungsbereiches auf, Feuerwehren zu gründen, so z.B. Ehrenstetten, Kirchhofen und Krozingen. Es wurde die Aufgabe gestellt, die bisherigen Lösch- oder Spritzenmannschaften so umzuorganisieren, dass sie für die Zukunft unter der Bezeichnung “Feuerwehr” als Glied der Gemeinde die Verantwortung über das Feuerlöschwesen übernehmen konnten. Der damalige Bürgermeister der Gemeinde Ehrenstetten, Anton Scherle, rief zur Gründung eines Feuerwehrkorps auf. Über 60 Männer folgten diesem Aufruf und stellten sich in den Dienst der Gemeinschaft.

Mit seinem Eintritt in die Feuerwehr musste jeder Wehrmann die beschlossenen, recht strengen Vorschriften anerkennen. Durch Erlass des Großherzoglichen Ministeriums in Karlsruhe vom 4. Juni 1865 wurde die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Ehrenstetten bestätigt. Nach den damaligen Statuten mussten der Kommandant und der Stab alle drei Jahre neu gewählt werden. Dies galt ebenso für den Verwaltungsrat, der als Kontrollorgan gebildet wurde. Für die schriftlichen Arbeiten war der Adjutant zuständig. Den Stab gehörte ein Hornist und viele Jahre auch ein Wundarzt an.

Im Jahre 1878 bot die Pumpenfabrik Wilhelm Lederle in Freiburg der Gemeinde Ehrenstetten eine Feuerlöschspritze neuester Konstruktion an. Man entschied sich zum Kauf, denn damit wurde die Gerätschaft wirkungsvoll ergänzt.

Im Jahre 1906 kam ein Mannschaftswagen dazu, den Wagenbauer Dösserich aus Binzen für 1. 100,- Mark lieferte. Somit war die Wehr in der Lage, die Wehrmänner bei Bränden in den Nachbarorten mit dem pferdebespannten Mannschaftswagen zu transportieren. Im gleichen Jahr wurden auch neue Helme angeschafft, deren Kosten aber die Finanzkraft der Feuerwehrkasse überstiegen. Der Gemeinderat fasst den Beschluss, der Feuerwehrkasse einen Beitrag von 300 Mark auszuzahlen. Alle Gerätschaften wurden im Anbau des Ehrenstetter Rathauses untergestellt. Hinter dem Gerätehaus wurde ein Schlauchturm in Holzkonstruktion zum Trocknen der Schläuche erstellt.

Die damaligen Kommandanten waren meist selbständige Landwirte oder Handwerksmeister wie Schreiner, Schuster oder Küfer. Auch Lehrer, Kaufleute oder Gemeindebedienstete finden sich in der Aufstellung.

Im Jahre 1925, nachdem sich die Nachkriegslage mit all den Schwierigkeiten der Inflation etwas stabilisiert hatte, wurde das 60jährige Jubiläum in angemessenem Rahmen gefeiert. Eine neue Fahne wurde geweiht. Der ehemalige Kommandant Hauptlehrer Johann Streit, hielt auf der Festwiese, die in den Mühlenmatten oberhalb des Anwesens Kienberger eingerichtet wurde, die Festrede. Otto Brengartner übernahm in Begleitung von Leo Jehle und Anton Nageleisen von den Festdamen die gestiftete Fahne. Bis zu seiner Einberufung in den Krieg im Jahre 1939 war Otto Brengartner Träger dieser Fahne. Die Feuerwehr wurde in diesem Jahrzehnt immer mehr in das Gemeindeleben integriert und nahm mit ihren damals bis zu 87 Mann an kirchlichen und weltlichen Feiern der Gemeinde regelmäßig teil. Der Feuerwehrkolonne voraus marschierte als ständiger Begleiter die 1966 gegründete Feuerwehrkapelle, deren Mitglieder zum größten Teil der aktiven Wehr angehörten. Der Musikdirigent gehörte dem Feuerwehrstab an. Jährlich mussten die Musikanten auch an Feuerwehrübungen teilnehmen.

Nach 1934 bahnte sich eine Umorganisation des Feuerwehrwesens an. Im Augenblick war noch nicht erkennbar, dass die Feuerwehren auf den Einsatz im Kriegsfall vorbereitet wurden, aber alles deutete bald auf eine militärähnliche Ausrichtung hin. Kommandant Anton Eckert übernahm 1936 die Wehr.

Eine inzwischen angeschaffte DKW TS8-Spritze, die in einem Anhänger untergebracht war, erleichterte die Löscharbeiten sehr.

Von den im Jahre 1935 registrierten 87 Feuerwehrmännern Ehrenstettens, sind 20 im Krieg gefallen. Nach den schweren Zeiten des Krieges kamen langsam die Männer der Jahrgänge 1923 bis 1929 aus der Kriegsgefangenschaft zurück und stellten sich der Wehr zur Verfügung.

Als Georg Locherer 1951 zusammen mit seinem Stellvertreter Walter Bacherer das Kommando übernahm, wurden die Wehrmänner einheitlich geschult und in Wettkämpfen erprobt. Inzwischen konnten mit 36 Mann wieder drei Gruppen gebildet werden, die regelmäßig übten, um für Einsätze gewappnet zu sein.

Der Weinort Ehrenstetten war bei den Feuerwehrk amaraden aus dem ganzen Lande zu einem Begriff geworden. Im Jahre 1955 stand das 90jährige Jubiläum an. In Ehrenstetten und in Kirchhofen beschlossen die beiden Kommandos dieses Jubiläum gemeinsam zu feiern. Es wurde ein großes, noch heute unvergessenes Fest, denn zahlreiche Feuerwehren aus dem ganzen Kreisgebiet kamen zum Kreisfeuerwehrtag.

Höhepunkt des Festes war die Übergabe eines LF 8/8 an die Ehrenstetter und eine neue Fahne an die Kirchhofener Wehr. Der Südwestfunk gestaltete einen Bunten Abend. Beim Festbankett wurden verdiente Wehrmänner geehrt und ein großer Festzug mit 60 Wehren, sieben Musikkapellen und 5 Spielmannszügen bewegte sich durch Ehrenstetten und Kirchhofen. In einem Leistungswettbewerb konnten die Teilnehmer Leistungsabzeichen erwerben. Dieses großartige Fest war ein Meilenstein auch für die künftige engere Zusammenarbeit der beiden Feuerwehren.

Im Interesse eines funktionstüchtigen Brandschutzes war die Zusammenarbeit von großem Nutzen. Viele Leistungsabzeichen wurden in diesen Jahren erworben und mit Stolz getragen.

Was sich 1955 bereits bewährt hatte, wurde 1965 fortgesetzt. Das Hundertjährige Jubiläum wurde wieder zu einem großen Fest, an dem 70 Wehren teilnahmen. Allein 60 Gruppen unterzogen sich dem Leistungswettbewerb und noch nie wurde eine größere Leistungsdichte im Kreisgebiet erreicht. Der Festzug wurde von der Reitergruppe Schallstadt/Wolfenweiler angeführt. Ehrengäste sowie die Altermannschaftskamaraden fuhren in Festkutschen im Zuge mit. Besonders erfreut waren die Jubelwehren über den Besuch des Präsidenten des Deutschen Feuerwehrverbandes, Albert Bürger, der unter den Ehrengästen verweilte.

Durch die Bedeutung der Chemiestoffe bei der Brandbekämpfung musste die Ausbildung erweitert werden. So wurden verschiedene Wehrmänner im schweren Atemschutz ausgebildet. Im Unterabschnitt wurde hier viel geleistet.

1974 wurde mit der Ausbildung kompletter Jugendgruppen ab dem 12. Lebensjahr begonnen. Günter Barth und Fritz Brengartner nahmen sich dieser Aufgabe an und konnten nach wenigen Jahren, die 18jährigen als Aktive dem Kommando übergeben.

Während der fast 20jährigen Dienstzeit von Kommandant Fritz Steinle und seinem Stellvertreter Walter Bacherer setzte sich der Ausschuss aus den jeweiligen Gruppenführern, ihren Stellvertretern, dem Gerätewart und dem Jugendleiter zusammen. Nach Feuerwehrkamarad Hohler war, bis zum Zusammenschluss der Wehren im Rahmen der Gemeindereform, Willi Nageleisen für die Geräte verantwortlich. Über 35 Jahre teilten sich bei allen offiziellen Anlässen Ernst Leimgruber und Karl Ruh in das Amt des Fahnenträgers.

Mit dem Jahre 1976 endete die Eigenständigkeit der Feuerwehr Ehrenstetten. Fortan bildet sie eine Abteilung innerhalb der Gesamtwehr Ehrenkirchen.

Im Jahre 1984 übernahm Willi Nageleisen das Kommando über die Abteilung Ehrenstetten und führte sie so gekonnt wie sein Vorgänger Fritz Steinle.

1999 gab Kommandant Willi Nageleisen sein Amt an Roland Schmutz ab und wechselt in die Altersabteilung der Wehr wo er bis heute Obmann ist.

Im Januar 2004 gab Roland Schmutz sein Amt an Andreas Hog ab, der sich fort an um die Belange der Abteilung Ehrenstetten kümmert.

Kommandanten ab der ersten Stunde:
1865-1883
Anton Scherle
1883-1889
Sigmund Ruh
1889-1892
Hermann Mayer
1892-1900
Johann Streit
1900-1903
August Nageleisen
1903-1922
Anton Eckert
1922-1931
Theodor Leimgruber
1931-1934
August Knieberger
1935-1951
Anton Eckert
1951-1964
Georg Locherer
1964-1984
Fritz Steinle
1984-1999
Willi Nageleisen
1999-2003
Roland Schmutz
2004-2010
Andreas Hog
2010- Heute
Oskar Benz